Strategien zur wirksamen Minderung der zukünftigen Fluglärmbelastung an Flughäfen - Erarbeitung eines ganzheitlichen, effektiven und praxisbezogenen Fluglärmminderungskonzepts, UBA FKZ 3708 51 103.
Auftraggeber  Umweltbundesamt, Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau
Bearbeiter
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R Friedrich (Ansprechpartner)  R Friedrich
Abteilung Technikfolgenabschätzung und Umwelt
Laufzeit von 01.01.2009 bis 31.10.2012
Aufgabenstellung des Projekts
Ausgehend von den Erkenntnissen der Lärmwirkungsforschung werden, unter anderem vom Umweltbundesamt und von der World Health Organisation (WHO), Lärmschutzziele empfohlen. Die dort empfohlenen Zielwerte werden jedoch an den größeren Flughäfen in Deutschland weit überschritten. Es stellt sich daher die Frage, durch welche Strategien und in welchem Zeitrahmen die Einhaltung der Lärmschutzziele erreicht werden kann. Strategien sind im Verständnis dieser Studie Bündel von Lärmminderungsmaßnahmen. Ziel des Vorhabens ist es, Strategien zur wirksamen Minderung der derzeitigen und zukünftigen Fluglärmbelastung in Deutschland vorzuschlagen. Dabei liegt der Fokus auf mittelgroßen Flughäfen und Regionalflughäfen.
Kurzbeschreibung des Projekts
Die Belastung der Bevölkerung durch Fluglärm ist nach wie vor ein großes Problem. In dieser Studie wird untersucht, mit welchen Instrumenten und Maßnahmen diese Belastung auf ein verträgliches Maß zurückgeführt werden kann. Diese Untersuchungen werden für drei typische Flughäfen, einem Flughafen mit hohem Frachtanteil und Nachtflugbetrieb, einem mittelgroßen Flughafen und einem Regionalflughafen exemplarisch durchgeführt. Zunächst werden kurz- und langfristig zu erreichende Ziele für die Lärmbelastung abgeleitet. Dann werden Maßnahmen zur Lärmminderung identifiziert und hinsichtlich Wirkung (Lärmminderung und daraus folgender Minderung der Gesundheitsrisiken und Belästigungen) und rechtlicher Umsetzbarkeit bewertet. Anschließend werden die Maßnahmen zu Strategien, also Bündeln von Maßnahmen zusammengefasst. Die Effizienzstrategie enthält rechtlich einfacher umsetzbare Maßnahmen, nämlich die Erhöhung von lärmbezogenen Start- und Landeentgelten, die Einführung lärmoptimierter Anflugverfahren und die Absenkung der Grenzwerte zur Festsetzung von Schutzzonen nach dem Fluglärmgesetz. In der Effektivitätsstrategie werden weitere Maßnahmen, insbesondere ein Nachtflugverbot eingesetzt. Mit den untersuchten kurz- und auch längerfristig wirksamen Maßnahmen können die langfristigen Lärmschutzziele nicht erreicht werden. Eine mögliche Lösung könnte die drastische Reduzierung der Zulassungsgrenzwerte für Lärm für neue Flugzeuge sein.
Ergebnisse
Im Rahmen einer kurzfristig und einfach umsetzbaren Effizienzstrategie werden folgende Maßnahmen empfohlen:
  • Der Einsatz lauterer Flugzeuge wird zu Gunsten des Einsatzes leiserer Flugzeuge zurückgedrängt.
  • Beim mittelgroßen Flughafen ohne Nachtflugbeschränkungen werden zusätzliche Maßnahmen ergriffen, die gewährleisten, dass Flugzeuge höherer Lärmkategorien nur noch in Ausnahme- und Notfällen nachts starten und landen.
  • Es werden soweit möglich lärmarme Anflugverfahren eingesetzt, zum Beispiel der continous descent approach und das optimized low drag low power- Verfahren.
Eine weitere Strategie, die Effektivitätsstrategie, umfasst zusätzliche, mittelfristig umsetzbare Maßnahmen, die eine große Lärmminderungswirkung haben, aber ggf. rechtlich schwieriger umsetzbar sind. Diese sind:
  • ein Nachtflugverbot.
  • die Verwendung weiter optimierter lärmmindernder An- und Abflugverfahren.
Auch bei Einführung der Effektivitätsstrategie wird der langfristige Zielwert für den Dauerschallpegel am Tag (55 dB(A)) deutlich überschritten. Wird das Nachtflugverbot nicht eingeführt, ist auch der Zielwert für den Dauerschallpegel nachts (40 dB(A)) weit überschritten. Wie aber lassen sich die langfristigen Ziele wenigstens langfristig erreichen? Hierzu werden im Folgenden Konzepte skizziert, die ggf. in Kombination zur Zielerfüllung beitragen können.
  • Als langfristig vielversprechendste Maßnahme gilt die Entwicklung und der Einsatz deutlich lärmärmerer Flugzeuge. Konzepte, unter anderem mit Triebwerksanordnungen, die eine effektive Schallabschattung oder -kapselung ermöglichen, könnten Minderungen der Dauerschallpegel am Boden von mehr als 15 dB(A ) gegenüber heutigen Flugzeugen erreichen.
  • Soweit Gebiete verbleiben, in denen die langfristigen Zielwerte trotz der vorgenannten Maßnahme langfristig überschritten sind, sollte langfristig eine weitere Reduzierung der Pegelwerte zur Festlegung der Auslösewerte, ab denen eine Finanzierung von baulichen Schallschutzmaßnahmen und Bauverbote nach dem FluLärmG erfolgt, durchgeführt werden.
  • Eine weitere Strategie könnte in der Erarbeitung, Prüfung und Umsetzung eines bundesweiten Mobilitätskonzepts bestehen, bei dem ein größerer Teil des Flugverkehrs, nämlich der Interkontinentalflugverkehr, der Frachtverkehr und Teile des Mittelstreckenflugverkehrs auf zwei neue, in dünn besiedelten Gebieten gelegenen Flughäfen umgelenkt werden.
Zusätzlich zu diesen Ergebnissen fand eine Diskussion der rechtlichen Umsetzbarkeit der verschiedenen Maßnahmen und Strategien statt und es wurde ein Monitoring- und Steuerungskonzept für die zukünftige Analyse von Fluglärm entwickelt.